Nur der Durchschnitt?

Von: beloveddaughter07

03.Okt.2016

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Kategorie: Persönliches

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Blende:f/5.9
Brennweite:87mm
ISO:80
Belichtungszeit:1/500 Sek.
Kamera:COOLPIX L330

Wisst ihr, mein Leben ist ganz schön aufregend.

Aber nicht immer. Eigentlich verbringe ich die meiste Zeit meines Lebens mit Durchschnitt, ganz normalem Alltag, mit Ergebnissen, die ok sind und mit Fotomotiven, die niemandem vom Hocker hauen. Dabei will ich das gar nicht! Ich will Spannung, Träume, eine große Liebe, Reisen – immer höher und höher! Ich will auch Drama, Tränen und Absturz – damit ich mich dann wieder aufrappeln kann und sagen kann, dass ich daraus gelernt habe, stärker geworden bin!

Ich habe tatsächlich vieles von dem und dennoch sind über 90% meines Lebens eben nur … Durchschnitt. Gemütliche Morgen in Jogginghose (so wie jetzt gerade ^^), Fahrradfahren, Unikrams in einer ganz durchschnittlichen Universität und Dienste in einer ganz durchschnittlichen Gemeinde. Klingt doch eigentlich gar nicht so schlecht oder?

Warum ist der Durchschnitt in unserer Gesellschaft so verschrien? Warum zählt eine Teilnehmerurkunde so viel wie nichts? Warum haben wir das Gefühl, immer übertreiben zu müssen? Warum macht uns der Vergleich mit anderen so oft traurig?

Wenn ich mich in der Welt, aber auch in meiner direkten Umgebung mal ein wenig genauer umsehe, so merke ich, wie wenig durchschnittlich doch mein durchschnittliches Leben ist. Da sehe ich den Mann auf der Straße, der mit einem Karton versucht, sich vor der Kälte der Nacht zu schützen. Da sehe ich die junge Frau, die in ihrem Heimatland studiert hat und hier mein Treppenhaus putzt und mit der Grammatik der deutschen Sprache kämpft. Da sehe ich Länder, deren Armut, Krankheiten, Krieg und Tod mir die Tränen in die Augen treiben, wenn ich es mal ganz un-durchschnittlich an mich heran lasse. Und wenn ich aus all dem den Durchschnitt ziehe und ihn dann mal mit meinem Durchschnitt vergleiche … dann fühle ich mich plötzlich gar nicht mehr so durchschnittlich, sondern fange an, mich für meine Durchschnittlichkeit zu schämen. Dieses Leben, das ich lebe ist im Grunde gar nicht so durchschnittlich, wie ich immer denke. Dann liegt mein Durchschnitt plötzlich auf dem gleichen hohen Niveau, auf dem wir auch immer meckern und jammern.

Ich möchte lernen, meinen Durchschnitt zu feiern!

Ich möchte lernen, Alltag willkommen zu heißen und dankbar zu sein für all das, was so manch einer nur mit gerümpfter Nase zu tolerieren scheint! Ich möchte meine Teilnehmerurkunden bejubeln und ich wünsche mir mehr Menschen in meinem Leben, die das mit mir tun! Ich wünsche mir Menschen in meinem Leben, die mir sagen, wie wunderschön unkompliziert es ist, Zeit mit mir zu verbringen, weil sie bei mir nichts leisten müssen! Ich wünsche mir Menschen, die nicht mit mir befreundet sind, weil ich ab und an mal coole Dinge erlebe, sondern weil sie mich in meinem Alltag kennen und schätzen.

Lasst uns unseren Durchschnitt mehr feiern und einander gratulieren zu Tagen, an denen wir frühstücken und frische Luft atmen, an denen wir Fahrrad fahren und an die Uni gehen, arbeiten und ganz durchschnittlich leben dürfen!

Epheser 5,20

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